Die Stadt hat Fieber
23 07 2011Die letzte Woche hier in New York City und Washington war vor allem eins: heiß. In Deutschland ist die Hitzewelle in den USA ja auch in den Nachrichten, die uns im Moment zu schaffen macht. In New York verbrachten wir die Nächte wenigstens in einem klimatisierten Raum (wenn auch aus Kostengründen illegalerweise zu Dritt in einem Doppelbett) – das war aber immer noch um einiges besser, als das unklimatisierte 6-Bett-Zimmer in Washington, das von mir auch liebevoll „Brutkasten“ getauft wurde. Aushalten konnte ich die 30 Grad, die es nachts immer noch hat, dort nur mit einem geklauten Kühlpack aus der Hostelgefriertruhe, an das ich mich kuschelte. Aber zum Aufenthalt in DC komme ich später.
Wir trafen Morten in NYC wieder und nutzten den ersten Tag, um in Manhattan ein bisschen Sightseeing zu betreiben. Unser Hotel lag direkt am Times Square – ein Hostel konnten wir nicht mehr auftreiben, die Stadt schloss unlängst über 200 Unterkünfte. Die Lage des Hotels war das Geld auf jeden Fall Wert.
I want to be a part of it - New York, New York
Als erstes ging es, wie man sehen kann, in den Central Park. Oben im Bild sieht man unten die berühmte Schlittschuh-Bahn, bzw. den Platz, wo sie normalerweise ist – wenn es nicht gerade 38 Grad hat.
Wir liefen ein bisschen herum und entspannten für eine Weile. Thomas und ich waren ziemlich fertig von der nächtlichen Busfahrt aus Niagara Falls und so nutzten wir die Zeit, im Gras zu liegen und uns die New Yorker mal anzuschauen. Neben einer mehr oder weniger talentierten Harfenspielerin sahen wir außerdem noch einige Dogsitter, die mit Scharen an Hunden Gassi gingen, Inlineskater und einen langhaarigen Mann, der aus unerfindlichen Gründen in voller Montur auf Bäume kletterte. Verrückt, diese New Yorker.
Morten und ich im Central Park
Weiter ging es dann zur Wall Street. Eher beiläufig gingen wir am Stier vorbei, der dort als Zeichen für einen starken Markt steht. Viel interessanter als den Stier an sich fanden wir aber die riesige Japaner-Traube, die sich auf engstem Raum vor dem Wahrzeichen bildete. So viele Japaner auf einem Haufen hätte ich sonst nur bei einer Pokémon-Convention erwartet. Oder einem Mathewettbewerb.
Die Japanertraube von New York - und irgendson Stier
Naja, Schluss mit den Vorurteilen und zurück zur Wahrheit: Nachdem jeder Einzelne der fleißigen Hobby-Fotografen ein hübsches Foto gemacht hat (Männer stolz mit Griff an die Hörner, Frauen gerne kichernd an den riesigen Stiereiern), ging es direkt geschlossen weiter zum auf der anderen Seite befindlichen Souvenirstand. Herrlich dieses Schauspiel.
Ein paar Straßenecken weiter waren wir dann am Stock-Exchange, dem Herz der Wall Street. Es war aber ein Sonntag und dementsprechend ein bisschen weniger los, trotzdem ein cooler Ort.
Knallharter Broker am New York Stock Exchange
Als letzte Station des ersten Tages machten wir uns auf zur Brooklyn Bridge. Wir waren ziemlich geschafft, ich fand New York teilweise eine ziemlich anstrengende Stadt. Nicht unbedingt im negativen Sinne, nur sind alle wirklich ziemlich gestresst und es sind einfach ein Haufen Leute auf einmal unterwegs. Es war außerdem immer noch unfassbar heiß, deswegen entschlossen wir uns, nur ein Stück auf die Brücke zu gehen. Trotzdem hatte man einen guten Blick auf die Stadt.
Ich (hitzegeplagt) und Florida-Klaus (erholt wie immer)
Wir entspannten noch ein bisschen im Hostel, stießen auf Mortens vorletzte Nacht seiner Reise an (er war selbst 4 Monate in der Welt unterwegs) und machten uns nachts noch einmal auf zum Times Square – New York schläft wirklich nie. Mir gefiel es dort ziemlich gut, es ist halt so ein Ort, an dem man einmal in seinem Leben gewesen sein muss.
Ich am Times Square
Am nächsten Tag besuchten wir – ausgeschlafen – als erstes Ground Zero. Ich fand es echt unglaublich, dort zu sein. Man kann nie wirklich begreifen, dass man sich jetzt genau an dem Ort befindet, an dem vor 10 Jahren diese schrecklichen Dinge passiert sind. Wenn man sich vorstellt, dass dort, wo jetzt eine große Lücke klafft, das World Trade Center stand. Leute von dort, wo ich jetzt stehe, gesehen haben, wie die Flugzeuge in die Türme fliegen. Alles unter Asche und im Chaos versunken war. Ich fands ziemlich krass. Es ist irgendwie immer noch eine gewisse Aura zu spüren. Gleichzeitig finde ich es bemerkenswert, wie schnell die Amerikaner weitergemacht haben. Auch der ungebrochene Patriotismus und Stolz ist zu spüren und bewundernswert. Das neue WTC ist schon lange im Bau und schon höher als die umliegenden Gebäude. Insgesamt wird es nach der Fertigstellung 1776 Fuß (541 Meter) hoch sein (1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung der USA unterschrieben, die Höhe wurde also mit Bedacht gewählt). Damit wäre es außerdem das höchste Gebäude der Vereinigten Staaten. Es werden noch 4 andere Türme gebaut, teilweise auch an die 1000 Fuß hoch. Wo die beiden Türme des alten WTCs standen, bleiben als Denkmal riesige Löcher im Boden.
Das neue World Trade Center von der Staten Island Ferry aus
Die Freiheitsstatue
Nachdem wir mit der Staten Island Ferry ganz nah an die Freiheitsstatue herangefahren waren, machten wir uns abends auf den langen Weg herauf auf das Rockefeller Center, das zweithöchste Gebäude New Yorks, nach dem Empire State Building. Meiner Meinung nach aber das bessere, um die Skyline zu sehen – logischerweise sieht man nämlich das Empire State Building, anstatt oben drauf zu stehen. Außerdem ist es günstiger und man muss nicht anstehen.
Blick auf den Central Park
Empire State - Florida-Klaus immer noch entspannt
Empire State bei Nacht
Abends stießen wir noch auf Mortens letzte Nacht an. Thomas und ich erkundeten an den weiteren zwei Tagen noch Harlem und liefen noch ein bisschen in Manhattan und dem Central Park rum. Dann gings auch schon in den Bus nach Washington.
Wir bezogen Quartier und es ging in den Brutkasten, wo wir mollig warm ins Land der Träume entschlummerten. Mehr oder weniger.
Washington ist verhältnissmäßig kompakt und so konnten wir alles an einem Tag mit der U-Bahn abfahren (laufen von längeren Strecken war wegen des Wetters unmöglich). Als erstes schauten wir uns den Militärfriedhof in Arlington an. Auch einige Präsidenten (darunter John F. Kennedy) sind dort begraben und man kann das Grab besichtigen.
Unzählige Gräber auf dem Arlington Cemetery
Wir hatten Glück und konnten uns am Denkmal für den unbekannten Soldaten den Wachwechsel der Ehrengarde anschauen. Außerdem liefen wir noch zum Iwo-Jima-Denkmal, welches ich ziemlich gut gelungen fand. Es zeigt insgesamt 6 Soldaten bei der Hissung der amerikanischen Flagge auf einem Berg. Es gibt ein Foto, wo genau diese Szene abgelichtet wurde.
Wachwechsel
Iwo-Jima-Denkmal
Danach fuhren wir dann in das Stadtcenter Washingtons und es ging von dort zum Kapitol, dem Washington Monument, dem Lincoln Memorial und dem Weißen Haus. Alles ziemlich schweißtreibend, man war froh, wenn man im Park einen Wasserspender fand, um sich zu erfrischen.
Sightseeing in der Stadt, Washington Monument
Gestern abend flogen wir dann von DC aus nach Fort Lauderdale, Florida. Wir wohnen im Moment bei Daniel, einem Freund von Thomas, der in Miami gerade ein Auslandspraktikum macht. Mal sehen, was wir uns hier in Florida vornehmen, einen genauen Plan haben wir noch nicht. Aber das ist ja sowieso immer das Beste.
Kategorien : USA